„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19
Ich bin schon ein paar Mal in Situationen gewesen, wo ich standhalten musste. Und ich kann Euch sagen, das ist gar nicht lustig gewesen.
Die Erinnerung ist nichts von einem Triumpfgefühl.
Man wird euch festnehmen und verfolgen. Vor Gerichte bringen, ins Gefängnis werfen, vor Machthaber zerren. Alles wegen Jesus. Dann habt ihr Gelegenheit, Zeugnis abzulegen.
So geht der Textabschnitt los, aus dem das Wort des Lebens vom Oktober stammt. Schöne Aussicht.
Es ist knallehart. Auch wenn der Geist die richtigen Worte eingibt, wie es weiter heißt. Das tut er auch. Nur wird es davon noch alles andere als ein sommerlicher Abendspaziergang. Du bist es immer noch selber, der es erleidet.
Standhalten ist was anderes als Recht behalten. Was anderes als seine Meinung durchpeitschen. Als Härte zeigen oder sich durchsetzen. Auch nicht den Glauben brüllend verteidigen oder die Muskeln spielen lassen.
Dieses Standhalten, um das es hier geht, ist ein Festhalten an der Liebe, auch da, wo man keine erfährt.
Festhalten an dem, was man als wahr erkannt hat, ohne dem Unverständnis mit Gebrüll, Hohn oder Gewaltmitteln zu begegnen. Ohne mit "gleicher Münze" heimzuzahlen. Das bedeutet, es auszuhalten, dass es weh tut.
Mir, nicht dem anderen.
Es tut weh, sich nicht abzuwenden von Demütigung, die man erleidet. Am liebsten würden wir draufschlagen statt allein mit vernünftigen Argumenten dagegen zu halten.
Gedemütigte Menschen sind gefährlich. Gegen die rasende Wut und tödliche Gewalt in mir, wenn sie schon da ist, gibt es nur ein Mittel: Sie ansehen als das, was sie ist, und aushalten, dass ich so bin. Ich habe nicht recht, wenn ich mir rausnehme, mit "Recht" Rache nehmen zu wollen. Menschlich verständlich ist das. Der Liebe des Gekreuzigten widerspricht es.
In der Begegnung mit Jesus geschieht dreierlei:
- Ich erkenne, dass ich nicht in seiner Liebe bin.
- Ich werde dennoch von ihm angenommen und von seiner Liebe umfangen.
- Ich werde verändert. Verantwortungsbereiter. Freier. Liebevoller. Ihm ähnlicher.
Alles das geschieht zusammen, eines nicht ohne das andere.
Je mehr ich in sein Bild verwandelt werde und dabei lerne, was das ist, was er gelebt hat, desto mehr beginne ich den anderen zu sehen. Auch den, der mich nicht freundlich empfängt. "Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?", sagt Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 5, 46-47).
Den sehen, der in seinem Nicht-Verstehen nach Leben hungert, und in seinem Angriff seine Wunden zu schützen sucht.
Ich lerne zu lieben, wo nichts für den anderen zu sprechen scheint. Wo mir tatsächlich und wahrhaftig Unrecht geschieht.
So ist es Jesus selbst gegangen.
Nein, das rechtfertigt nicht das Tun des anderen, und ich soll auch nicht alles stehen lassen, sonst werden Dritte davon betroffen. Im Gegenteil. Manchmal muss ich dann was sagen, wenn ich mit Widerstand rechnen kann. Ich habe vielleicht Angst davor. Wahrscheinlich habe ich Angst.
Keiner wird aber klüger davon, dass ich mich genauso aufführe.
Keiner wird liebevoller davon, dass ich die Liebe aussetze.
Die Liebe "in Kraft setzen" ist das Anliegen Jesu. Aushalten kann ich das nur, wenn Jesus in mir lebt, mit seinen Wunden, seiner Angst und seiner Einsamkeit. Er, der Gerechte, der den Verbrechern und Verdammten zugerechnet wurde.
Wer diesen Menschen liebt, wer bei ihm steht in seiner Liebe und nicht mehr an Rache denkt, der ist frei von den Todesmächten, die nach uns greifen. Der hat gewonnen. Der hat ihn, Jesus, das Leben.

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