Sonntag, 3. Januar 2010

Kleine Geschichte der Gegenwart Gottes

Wort des Lebens Januar 2010:
Gott wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein.
Offenbarung 21,3
Die Idee, dass Gott bei den Menschen eine Wohnung hat, ist sehr alt. Im zweiten Buch der Bibel lässt sich die "Herrlichkeit" Gottes auf dem Sinai nieder.
Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf den Sinai herab... Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich vor den Augen der Israeliten wie verzehrendes Feuer.
Exodus / 2. Mose 24, 16-17
Das Wort, was wir im Deutschen mit "Herrlichkeit" wiedergeben, heißt auf hebräisch "Kawod" und kann auch "Ehre" oder "Schwere, Gewicht" heißen. Es steht für die Gegenwart Gottes.

Danach bauen die Israeliten das sogenannte Offenbarungszelt. Dort lässt die Herrlichkeit Gottes sich nieder und zieht so mit den Israel durch die Wüste: Gott wohnt bei den Menschen in Israel.


Später zieht die Herrlichkeit Gottes mit der Bundeslade in den Tempel in Jerusalem ein. Nun ist der Tempel und der Berg Zion der Ort der Gegenwart Gottes und das Zentrum Israels.

Aber nun ist etwas geschehen: Israel ist keine kleine Gruppe mehr, die mit Gott durch die Wüste zieht und so die Herrlichkeit Gottes jederzeit erfahrbar in der Nähe hat. Israel wohnt über das ganzen Land Israel verbreitet und nur zu den großen Festen pilgert man, wenn man kann, nach Jerusalem. Es gibt längst Fachleute für das Kultwesen...

Dann geht die Selbstregierung Israels und der Tempel verloren, die Oberschicht muss ins Exil. Schließlich die Rückkehr. Aber die großen Zeiten der Könige Israel sind vorbei.

Bei Ezechiel lesen wir:
So spricht Gott, der Herr: Ich hole die Israeliten aus den Völkern heraus, zu denen sie gehen mussten; ich sammle sie von allen Seiten und bringe sie in ihr Land. Ich mache sie in meinem Land, auf den Bergen Israels, zu einem einzigen Volk. Sie sollen alle einen einzigen König haben. Sie werden nicht länger zwei Völker sein und sich nie mehr in zwei Reiche teilen.
Ezechiel 37, 21-22
Auch der Tempel wird neu gebaut. Aber Ezechiel gibt eine Verheißung, die weiter geht:
Sie werden sich nicht mehr unrein machen durch ihre Götzen und Gräuel und durch all ihre Untaten. Ich befreie sie von aller Sünde, die sie in ihrer Untreue begangen haben, und ich mache sie rein. Dann werden sie mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein. Mein Knecht David wird ihr König sein und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden nach meinen Rechtsvorschriften leben und auf meine Gesetze achten und sie erfüllen.
Ezechiel 37, 23-24
Genau das ist, was von Jesus gesagt wird. Das ist mehrere hundert Jahre später. Die Zusage Gottes wird von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Und schließlich fließen all die Zusagen Gottes, alles, was ihn selbst ausmacht, in einen Punkt, in eine Person zusammen: In Jesus, dem Christus, in dem Gott in Person zu den Menschen kommt, um bei ihnen zu wohnen.

Doch wie kann ein Mensch ewig bei den Menschen sein... wird Jesus dann nie sterben? -
Jesus stirbt, doch es ist nicht das Ende. Nun geschieht aber etwas neues, nach Ostern.

Paulus schreibt nach Korinth:
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
1. Brief des Paulus nach Korinth 3,16
Er schreibt das an die Korinthische Gemeinde. Die Christen, in ihrem Leib, sind ein Tempel Gottes geworden!


Paulus spricht von den Christen, wie Jesus vorher bereits von sich selbst!
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.
Evangelium nach Johannes 2, 19-22
In den Christen vervielfacht sich der Tempel Gottes. Er wird überall zugänglich und bleibt, von einer Generation zur nächsten, und er wird mit ihrer Zahl immer größer...
Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund; es soll ein ewiger Bund sein. Ich werde sie zahlreich machen. Ich werde mitten unter ihnen für immer mein Heiligtum errichten und bei ihnen wird meine Wohnung sein. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Wenn mein Heiligtum für alle Zeit in ihrer Mitte ist, dann werden die Völker erkennen, dass ich der Herr bin, der Israel heiligt. 
Ezechiel 37, 26-28
Es ist der Geist Gottes, der in den Christen wohnt, sagt uns Paulus weiter. Und im Geist Gottes, dem Geist der Liebe, die alles verbindet, ist Christus gegenwärtig. Er sagt:
Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Matthäus 18,20
Man könnte ebenso übersetzen: "bei ihnen", "zwischen ihnen" oder "in ihnen", und daller Erfahrung nach trifft das gleichzeitig zu.

Warum zwei oder drei? Warum genügt nicht einer, wenn jeder Tempel Gottes ist... so recht mag der moderne Mensch das nicht hören...

Im Alten Testament und ebenso im Neuen verweist die Formel "zwei oder drei" regelmäßig auf die Zeugenschaft. Ebenso bedeutet "im Namen Jesu", dass die, die hier auftreten, nicht für sich selbst sprechen, sondern für einen anderen. Wenige Sätze vorher sogar heißt es:
Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde.
Matthäus 18,16
Niemand sagt also, der Geist Gottes sei nicht im Christen, wenn kein anderer gerade bei ihm ist. Manchmal bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, als auskommen zu müssen, ohne die Geschwister unmittelbar "greifbar" zu haben.

Aber nach außen wirken wir letztlich nur, wenn wir gemeinsam handeln. Das droht heute gerne aus dem Blick zu geraten.
Dabei geht es nicht drum, permanent zusammen zu klüngeln, sondern die Gemeinschaft zu wahren, egal was wir tun und wo wir uns gerade befinden.
Und gemeinsam Handeln heißt auch nicht, dass einer anschafft und die anderen es abnicken. Gemeinsam ist man nur, wenn alle das tun, wa Jesus will.

Denn genau für diese Gemeinschaft verspricht nun Jesus: "Dann bin ich selber da!"

So erfüllt sich, was der Prophet Ezechiel im Auftrag Gottes angekündigt hat.

Aber der kurze Text des "Wort des Lebens" stammt aus der Offenbarung des Johannes. Es ist vom Neuen Jerulalem die Rede. Liegt die Verwirklichung also erst in der Zukunft?

Damit wäre aber das Buch der Offenbarung falsch verstanden: Es geht darin viel weniger um eine zukünftige Zeit als um die Gegenwärtige. Es will uns zu einer Entscheidung aufrufen: Denn das Zukünftige ist bereits bei uns angebrochen.

Die Neue Stadt Jerusalem ist dort, wo Jesus gegenwärtig ist.


Bild 1: Hartmann Schedel (1440-1514), Hierosolima (Jerusalem), Liber cronicarum (Nürnberg 1493), auf Wikimedia Commons
Bild 2: shakko: Russische Ikone des Ezechiel, auf Wikimedia Commons


Bild 3: Bamberger Apokalypse, Das Neue Jerusalem auf Wikimedia Commons

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