Samstag, 12. Dezember 2009

Neuling I: Berufung

Neulich sprach Professor P. Michael Schneider SJ in Dogmatik über Berufung. Er sagte ungefähr sowas:
Wenn es Berufung ist, passt alles. Es ist alles genau so, wie man es sich vorgestellt hat.
Es gibt verschiedenste Berufungen, nicht nur zum Priester oder Ordenschrist. Es ist das, wie Gott einen Menschen gedacht hat. Darum passt es genau zu ihm.
Berufung kann man nicht wählen, man kann nur darauf antworten (oder sie verfehlen). 
Wahrscheinlich hätte ich ihm das ein paar Monate früher schlicht nicht geglaubt. Das mit dem "alles passt". Oder hätte mich gefragt, ob Gott für mich nichts passendes übrig hat. Ich musste ehrlich lachen.

Es ist jetzt drei Monate her, dass ich in Frankfurt im Fokolar war und kurz darauf auch dieser Blog geboren wurde. Sieben Wochen später durfte ich mit nach Hübingen fahren und auf dem Vorbereitungstreffen erstmals ein wenig "Mariapoli-Luft" schnuppern.

Darüber habe ich hier wenig berichtet. Das liegt daran, dass ich komplett platt war. Ich meine nicht nur überrascht, das auch. Ich war tierisch müde. Nicht vom Vorbereiten, Wandern, Reden, Zuhören, Messe feiern usf., keine Spur. Mich holte schon auf der Heimfahrt die Wirkung dessen ein, was ich dort erlebt habe.

Das hat so sehr in mir etwas in Bewegung gesetzt, dass ich schon im Zug fast weggepennt wäre. Ich kann kaum behaupten, dass es mir schlecht gegangen ist. Es hat eine gute Woche gedauert, um einigermaßen zu realisieren, dass das echte Menschen sind, mit denen ich hier in Kontakt getreten bin, dass ich das nicht geträumt habe. Meine Träume unerfüllter Sehnsucht - eher die wachen und betenden - sahen dem einfach zum verwechseln ähnlich. Nur dass es sich jetzt anfühlte.

Extrem gut fühlte sich das an. Etwas "high" zu sein davon am Anfang, ist, glaube ich, verzeihlich.

In diesen ersten drei Monaten seit dem ersten Kontakt passiert ständige Veränderung mit mir. Und ich bin voll kaum zu bändigender Sehnsucht nach mehr.
Die Überraschungen, die bei der Landung auf einer Web-Site begonnen haben, setzten sich fort: Immer mehr Andockstellen an ganz unerwarteter Stelle.

Mehr noch: Es ist, wie wenn mein ganzes Leben in einem Punkt zusammenfließt.

Und manchmal fühle ich mich hilflos, weil ich so gar nichts tun kann, und reichlich alleingelassen. Ja, auch das.
Zu viel hat nur darauf gewartet, seinen Ort und sein Ziel zu finden. Und strebt jetzt nach Verwirklichung. So ist es manchmal nur Warten. Wie die Kinder, wenn sie jeden Tag dreimal fragen: "Mama, wann ist Weihnachten?"

Den Rest hätte ich unserem P. Scneider geglaubt, aber nicht, dass es so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Und im übrigen: Doch nicht ich...? Und haben da nicht andere eine tüchtige Portion mit zu reden...? Ich bin notorisch ungläubig in solchen Dingen.

Ich würde eher sterben als wieder zu gehen.
Und ich wünschte, ich könnte jemanden fragen, der es wissen muss: "Ist das sehr schlimm... ich meine... dass ich bleiben möchte?"

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