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Donnerstag, 31. Dezember 2009

"Gott ist Liebe" - Jahresmotto 2010


Ich grüße Euch und wünsche Euch allen einen guten Rosch, einen guten Anfang für 2010.

Ihr müsst also nirgends hin Rutschen, der Ausspruch kommt aus dem Jiddischen in unsere Sprache. "Rosch" ist hebräisch und bedeutet "Kopf" oder "Anfang". Daraus wurde bei denen, die es nicht verstanden, ein "guter Rutsch" ins nächste Jahr.

Man hat sich also einfach einen guten Jahresanfang gewünscht.


Neben dem "Wort des Lebens", das es jeden Monat neu gibt, hat auch jedes Jahr ein eigenes Motto. Für 2010 ist eines der für uns zentralsten Schriftstellen überhaupt gewählt worden:
"Gott ist Liebe"
1. Brief des Johannes 4, Vers 8 und 16
Der beste Kommentar dazu ist der von Johannes selbst. Es steckt aber so viel in seinem Text drin, dass es nicht leicht zu verstehen ist und man mindestens ein Jahr - am besten das ganze Leben - daran meditieren kann.


Der ganze Text im ersten Brief des Johannes lautet:
Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
1. Brief des Johannes 4, 7-21


Heute ist es Allgemeingut, davon zu sprechen, das Gott Liebe ist. Als Chiara damals darauf stieß und mit ihren ersten Gefährtinnen beschloss, diese Liebe durch ihr Leben sichtbar werden zu lassen, war dies keineswegs so.

Gerechtigkeit wurde mit Gott in Verbindung gebracht, Hoheit, Ehre, Allmacht... aber Liebe?
Auch wenn es nie ganz vergessen war: Unter Liebe stellte man sich eher Liebesdienste vor, gute Taten, Caritas. Etwas, was Menschen tun. Eine Aufgabe, die dem Christen geboten war.
Aber nicht das Wesen Gottes selbst.

Am Anfang dieses Semesters wurden wir in unserer Gruppe von der Geistlichen Ausbildung gefragt, was wir für das wichtigste an der Botschaft Jesu halten. Die häufigste Antwort war: Dass Gott Liebe ist.

Das sagt Jesus so gar nicht wörtlich in den Evangelien, das sagt Johannes in seinem Brief. Dennoch ist es für die Mehrheit die Zusammenfassung dessen, was die Sendung Jesu ausmacht: Die Botschaft, die identisch ist mit Gott selbst. In Jesus ist die Liebe Gottes erschienen unter uns (1. Brief des Johannes 4,9).

Denn
"Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm."
(1. Brief des Johannes 4,16)
Das ist, was Jesus ist und was er gelebt hat.
Ihm sollen wir gleich werden.

Aber nicht durch fromme Handlungen und vorgeschriebene Dienstleistungen.
Sondern aus einem Handeln, das aus der Gemeinschaft mit Christus selbst hervorgeht, der unter uns gegenwärtig ist.



Ein in der Liebe Gottes gesegnetes Jahr 2010! 



Bild 1: Thomas Wolf (Der Wolf im Wald): Sylvesterfeuerwerk in Frankfurt am Main (some rights reserved), auf Wikipedia.

Bild 2: César Astudillo: Christmas light tree in Moncloa-Aravaca district in Madrid (Spain) (some rights reserved) auf Flickr.

Samstag, 28. November 2009

Vor mir das Nadelöhr

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24



Also: Vor mir das Nadelöhr. Wie komm ich da durch?

Gar nicht, bin zu dick.
Gar sowieso nicht, sagt Jesus: Da kommt niemand rein, ohne dass Gott es ermöglicht.
Stimmt ganz klar.

Wieso ist der Eingang eigentlich so schmal und winzig?
Nicht mal durchgucken kann man richtig. Schlüsselloch ist nichts dagegen.

Und drumrum sieht alles aus wie immer. Nur da ist dieser Gateway, nein dieses unpassierbare Türchen, durch das man irgendwie durchkommt, bloß nicht so wie in den Computerspielen, wo sich ein Tor irgendwie öffnen lässt mit einem Trick und dann kann man durch und drüben weiter machen.

Genau das kann man nicht: Weitermachen.
Im Computerspiel ist die Welt auf der anderen Seite manchmal eine andere. Aber die Regeln sind diesselben. Im Prinzip zumindest.


Im Reich Gottes? Kann irgendwer sich vorstellen, dass da diesselben Regeln gelten wie in unserem Alltag und in unserem Staatswesen?
Blödsinn. Natürlich nicht. Sonst könnten wir eigentlich auch hier bleiben.

Gehen wir mal davon aus, wir wollen auch tatsächlich auf die andere Seite. Was ja keineswegs von vorne herein gesagt ist. Wie gesagt, man kann sich's ja nicht erstmal anschauen.

Also, es ist gänzlich anders irgendwie. Und doch nicht: Denn Jesus sagt ja: Das Reich Gottes ist mitten bei den Menschen schon da. Wenigstens dort, wo Jesus ist. Er ist drin. Und die um ihn rum, sind vielleicht auch drin. Andere auch nicht.

Andere Regeln gelten auf jeden Fall. Ich würde sagen, eine:
Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Johannes 13,34
Und Johannes kommentiert:
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.
1. Brief des Johannes 4,8
Alles andere folgt daraus.


Vielleicht hilft uns das aber doch weiter, die Sache mit dem Gateway: Meistens (jedenfalls, wenn man es das erste mal spielt) hat man keine Ahnung, was einen auf dem nächsten Level oder hinter dem Gateway erwartet.



Man kann also nur drauf vorbereitet sein, dass irgendwas anders ist und etwas anderes vom Spieler gefordert ist. Ansonsten muss man einfach durchgehen. Und schaun, was passiert.

Man kann sich entweder drauf einlassen - oder es lassen.
Im Spiel kann einem allerdings, objektiv betrachtet, nicht viel passieren, allenfalls verliert man seine Spielfigur, und oft hat man ja auch noch ein paar Leben in Reserve.

Aber was, wenn ich mich aufs Reich Gottes einlasse?
Da ist doch Liebe, oder? Da kann mir doch gar nichts passieren, oder?
Oder??!

Mir kann alles passieren. Genau das ist es ja.
Mir wird alles passieren.

Mir wird all das passieren, von dem ich mir nicht vorstellen kann - vielleicht auch nicht will! - dass es mir passiert.
Ich finde heraus, dass alle Menschen sind z.B., auch die, die ich gar nicht dafür halten will.
Ich finde heraus, dass ich geliebt bin. Ihr glaubt gar nicht, wie unangenehm das sein kann, dass Gott so nah ist, dass er einen berührt.
Und alles ist gemeinsam. Einheit in Vielfalt, aber nicht Wörter, die in Dokumenten oder Programmen stehen, nein, in Wirklichkeit. Totale Unterscheidung. Totale Einheit. Viel zu krass.
Ich meine wirklich, dass es einem passiert.

Aber das unmöglichste daran ist das Tor.

Das ist der Gekreuzigte. Der führt genau rein.




Foto 2: Toshihiro Oimatsu "in the Tunnel" (some rights reserved) auf piqs.de