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Montag, 23. November 2009

Arm oder reich?

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24


Ein Kamel durch ein Nadelöhr buksieren, stelle ich mir eher anstrengend vor. Und ich vermute, es bleibt vom Kamel nicht so recht was übrig dabei.

Für deutsche Verhältnisse würde mich sicher kein Mensch als reich einstufen. Wenn ich aber nach Indien blicke oder in afrikanische Staaten, dann bin ich mir fast sicher, dass ich demnächst im Reichtum ersticken werde!


Manchmal denke ich: Dieses vollgestopfte Zimmer! Und dann wünsche ich mir manchmal ein ganz leeres Zimmer herbei.

Aber leere Zimmer in Deutschland - nun, das können sich hier nur reiche Leute leisten, nicht war? Alle anderen Leben in allen Zimmern, die sie haben. Alle anderen heben auf.

Seltsam ist das schon.
Was aber noch seltsamer ist, ist die Tatsache, dass die Reichen immer denken, dass die anderen ja gar nicht so viel brauchen. Also ich z.B. dass die in Indien - ja was eigentlich?

Essen, einen sicheren Schlafplatz, Hygiene, Gesundheitsversorgung, frisches Wasser, Kleidung, das braucht jeder. Und dann sind da noch die Grundlagen, um am sozialen Leben teil zu haben. Und die sind, was sich unterscheidet.
Aber die sind auch nicht festgelegt, wir können sie gestalten. Es müsste nicht so sein, dass jeder seine Wohnung mit Zeug vollstopft, das er irgendwann mal brauchen könnte. Wieso ist das Zeug inzwischen nicht bei denen, die es brauchen? Wieso kommt nicht das, was nötig ist, dann wenn wir es brauchen?

Oder käme es vielleicht? Und wir sind nur nicht bereit, darum zu bitten?


Warum sind wir so bettel-arm in unserem Reichtum? Vielleicht, weil wir die berufsmäßigen Bettler auf den Straßen so widerlich finden. Und weil uns die Bettelbriefe irgendwelcher mehr oder weniger obskurer Organisationen den Glauben daran, dass unsere kleine Barmherzigkeit etwas bewirkt, gänzlich zerstören. Und weil wir "nach oben" wollen und uns erzählt wird, in Deutschland führen die Armen nagelneue BMWs.

Aber reich ist doch auch niemand, oder? Reich sind doch immer "die anderen", "die da oben", die "Großkopferden". Wer würde sich selbst schon zu "den Reichen" zählen. Das klingt doch schon so verdächtig nach: Dann will vielleicht wer was von mir.

Wir wissen nur, wie man teilt, aber nicht, wie man miteinander teilt. Drum braucht jedes Kind einen eigenen Fernseher.

Jedem seime eigene Einsamkeit. Seine eigenen Papierstapel. Seine eigenen Wahlprogramme.

Kein Wunder, dass dafür kein Platz ist im Reich Gottes.

Montag, 2. November 2009

Liebe Chiara...

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24


Den Reichtum nicht zu Gott machen - Ja, Chiara, schon recht. Ich hab das schon 100 Mal gehört.

Mammon herrscht. Wissen wir ja. Und das nennt man bei uns Kultur. Und...

Und was?

Wenn's nur drum ginge, nicht am Geld zu hängen - ich häng ja gar nicht dran. Ich gebe es zwangsläufig aus. Viel ist auf meinem Konto sowieso nicht drauf, was ich ausgeben könnte.

Aber ich glaube wirklich, dass Du recht hast: Jesus sagt nichts umsonst.

Und wenn ich mal den Modus wechseln darf: Mich treibt die Frage um, wie das ist mit dem Teilen. Wir tun gerne so, wie wenn wir die Finanzen mit den "wirklichen" Beziehungen gar nichts zu tun hätten. Und das stimmt natürlich nicht.

Es ist vielmehr so, dass die Art, wie wir mit Geld und Gütern umgehen, extrem viel damit zu tun hat, wie wir über uns selbst und den anderen Menschen denken.

Ich kann mir ganz unmöglich noch vorstellen, dass echte, tiefe Gemeinschaft zwischen Menschen überhaupt möglich ist, wenn wir einen Teil, nämlich die Dinge, die wir in der materiellen Welt benötigen, ausblenden und so tun, wie wenn sie gar nichts zur Sache täten.
Ich bin sogar überzeugt, dass ein Großteil unserer Einsamkeit genau daher kommt.

Armut zu verharmlosen oder sogar zu idealisieren, ist zynisch.
Und wir sollten uns hüten, das Evangelium so zu spiritualisieren, dass nur noch harmlos lauwarme Gedankenbrühe rausfließt, die uns ein wenig warm ums Herz macht.

Als Ihr damals im Luftschutzkeller saßt, Chiara, und Ihr habt im Evangelium gelesen, da ist es nicht beim Lesen allein geblieben. Ihr habt geholfen mit dem, was ihr hattet, dem wenigen an Gütern und mit Euren Händen. Es ist kein Zufall, dass in der Fokolarbewegung die finanzielle Seite ganz selbstverständlich dazu gehört wie die organisatorische, die geistliche usw. Ihr habt einfach nie aufgehört zu teilen.

In Wirklichkeit brauche ich den Großteil dessen, was ich besitze, nur gelegentlich, die restliche Zeit liegt es rum. Und alles besitzen, um für jeden erdenklichen Fall ausgestattet zu sein, ist nicht nur utopisch, sondern lächerlich.

Meine Ängste waren in dem Moment verschwunden, wo ich echte Gemeinschaft erlebt habe, die jeden sieht in seiner Eigenart. Die ihn ganz einbindet und ihn dabei frei lässt.

Das ist, wenn die Gegenwart Christi sich in der Liebe konkretisiert, die alle verbindet. Wenn also der Gott, von dem Johannes sagt: "Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm." (1. Brief des Johannes 4,16) - wenn der unter uns herrscht.
Liebe in Gott ist beständiger Austausch.

Wer an seinem Besitzstand festhalten will, wird sich fern halten von dieser Gemeinschaft.
Man kann nicht zwei Göttern dienen.

Oder wie Jesus es sagt:
Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Matthäus 6, 24