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Mittwoch, 23. Dezember 2009

Vor-Weihnachts-Bemerkung


Manchmal, wenn ich in Offenbach so über den kleinen, bescheidenen Weihnachtsmarkt schlendere, sehe ich in strahlende Gesichter und leuchtende Augen.

Und ich denke: Vielleicht ist Jesus doch da, selbst zwischen Würstchenbuden, gebrannten Mandeln und dem Stand mit Bauchtanzschmuck.

Sonntag, 20. Dezember 2009

4. Advent - Christen glauben nicht an den Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann ist schon eine recht alberne Gestalt. Kein Wunder, dass die Leute Weihnachten für ein Kinderfest halten und es Erwachsene bestenfalls mit nostalgischen Gefühlen erfüllt.



Und für ebenso alberne Gestalten halten sie die Christen, mit denen dieses Fest doch irgendwie zusammen hängt.

Kennt Ihr das? Irgendwas läuft nicht so, wie die Leute sich das vorstellen. Und sie wollen irgendwas von uns. Es muss genauso laufen, wie sie es sich in den Kopf setzen. Und dann kommt: "Du bist doch Christ. Du musst das doch machen. Sonst ist das keine Nächstenliebe."

Komischerweise passiert mir das in letzter Zeit nicht. Möglicherweise spüren die Leute, dass das "gefährlich" ist, denn es kann ihnen passieren, dass sie sich mitten im Gespräch wiederfinden. Ich vermute, es wird auch keiner mutmaßen, dass ich an den Weihnachtsmann glaube, wenn ich den Mund aufmache.

Ich warte in der Tat nicht auf den Weihnachtsmann, sondern auf das Kommen Christi. Allerdings finde ich manches süßliche Weihnachtsbildchen, holder Knabe im lockigen Haar, fast noch schlimmer als den Weihnachtsmann. Und zwar deshalb, weil es so offensichtlich den verkitscht, den ich liebe.

Nun ist Jesus freilich als Kind geboren, und Menschen haben generell die Tendenz, Babys süß zu finden. Vor allem, wenn's nicht die eigenen sind.

Aber ich muss doch mal sagen, dass Jesus wirklich als Mensch geboren wurde, dass seine Mutter ihn garantiert unter Schmerzen auf die Welt gebracht hat. Die erste Geburt kann ziemlich lange dauern, und nirgndwo in der Bibel wird dieser Prozess einfach übersprungen oder abgekürzt.

Meistens ist das auch bei uns so, wenn Jesus bei uns ankommt und in uns zur Welt kommt. Abkürzungen gibt's nicht, und schmerzhaft ist es manches Mal auch. Abkürzen geht ganz einfach deshalb nicht, weil wir als Christen nirgendwo hin kommen, wenn wir versuchen, an ihm selbst vorbei etwas zu tun. Ist ja auch logisch.

Aber das ist weder süßlich noch lammfromm.

So einen albernen Jesus gibt's einfach nicht.

Aber das Herz Marias bewahrt alle Worte, die über ihn gesagt sind. Und sie küsst ihn und umarmt ihn.


Bild 2:
Bubamara: Adventný veniec I auf wikimedia commons

Sonntag, 13. Dezember 2009

3. Advent - Freut Euch!

Heute morgen als ich in die Kirche kam, fragte ich mich: "Wer ist denn gestorben?"

Der Pfarrer zog still in Prozession ein. Sprach davon, dass einem im Advent auch anderes begegnen kann als das erwartete und ließ außer "Wir sagen euch an..." kein einziges Adventslied singen. Die Predigt drehte sich dementsprechend darum, aktiv zu werden, um Not zu lindern. Das "Unerwartete" war klar Programm. Ich denke, der stille Einzug sollte besinnlich wirken.

Vermutlich sind auch Menschen gestorben, aber das ist nicht der Anlass dieser Sonntagsmesse gewesen. Obwohl die Texte permanent von der Freude sprachen - es ist ja auch der Sonntag "Gaudete" ("Freut euch")- konnte ich mich des Eindrucks einer Friedhofsstimmung nicht entziehen. Selbst wenn man vielleicht abziehen muss, dass ich selbst gerade recht glücklich bin.

"Gott liebt einen fröhlichen Geber", sagt Paulus im 2. Brief an die Korinther (9,7).

Ich habe gewiss nichts gegen Predigten, die auf die Not bei uns und in der Welt aufmerksam machen. Und ganz gewiss nichts gegen Besinnung. Ich frage mich nur, wieso beides nicht mit Freude vereinbar ist.

Ich meine keinesfalls, dass der Tod und die Trauer nicht thematisiert werden dürfen, aber genau darum ging es ja gar nicht. Es ist nur schlicht ein Widerspruch zwischen Text und Atmosphäre. Möglicherweise beabsichtigt, doch was, meine ich, geschieht, ist anderes: Nicht die Situation derer, die dringend unserer Hilfe bedürfen, macht uns traurig, sondern diese Menschen werden in den Gedanken der Hörer selbst mit einem Trauerflor umgeben, wie wenn sie am traurigen Advent die Schuld trügen.

Tun sie nicht.

Und die Armen dürfen gefällist auch ohne uns fröhlich sein und müssen nicht allein unser Bedürfnis der Anerkennung unserer guten, barmherzigen Werke erfüllen. Wenn sie betrübt sind, auch das ist ihr gutes Recht. Sie müssen nicht mal dankbar uns zunicken.
Sie dürfen, freilich. Aber sie sind ganz einfach Menschen, die Armen wie die Reichen. Es gibt keinen "guten Geber" in diesem Spiel, sondern nur Menschen mit Bedürfnissen.

Und alle wollen leben. Alle wollen anerkannt sein. Alle wollen glücklich sein.

Freut Euch! Und nocheinmal sage ich: Freut Euch!
Christus befreit uns dazu, ein fröhlicher Geber zu werden.


Bild: Peter Becker: Candles in the dark (some rights reserved) auf flickr

Dienstag, 8. Dezember 2009

Sehnsucht nach Licht

Wort des Lebens Dezember 2009:
"So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."
Matthäus 5,16
In diesen Tagen sind überall tausende Lichter zu sehen:

Kerzen stehen auf den Tischen, draußen blinken bunte Figuren. Aus winzigen Lämpchen bestehende Lichterketten überziehen Bäume und Häuser. Erleuchtete Weihnachtsmänner stehen auf Garagen und Würstchenbuden.

Wozu unser Licht Leuchten lassen? Zwischen all den Lichtern sieht es doch eh keiner, oder?

Die Menschen haben Sehnsucht nach Licht. Die langen Winternächte scheinen heller auf dem Weihnachtsmarkt, wenn wir mit Kinderaugen und Glühwein in der Hand buntes Holzspielzeug, Glaskugeln und Schmuck bestaunen.

Alle sind dort: Elegante Wintermäntel und Strumpfhosen unter dem Mini, Anzug und Baggy Pants. Düfte verbreiten anheimelnde Gefühle: Wachs und gerösteten Mandeln und Harz von Tannen.

Es zieht uns im Winter zum Licht wie die Fliegen im Sommer. Sehnsucht.

Aber den Vater im Himmel preisen? Wozu? Hier geht es eher um gute Preise als um gute Werke.



Vielleicht muss man dazu ins Dunkel gehen. Dahin, wo keine Lämpchen brennen und nicht mal eine Kerze.

Aber interessiert es das Licht überhaupt, ob es gesehen wird? Genügt es ihm nicht, dass es leuchtet?

Die Aufforderung Jesu ist nur die:  Leuchte!


Sonntag, 6. Dezember 2009

2. Advent - und Nikolaus!

Einen gesegneten zweiten Advent 
und einen frohen Nikolaustag, 
Euch allen da draußen im weltweit vernetzten Raum!

Die letzten Jahre habe ich keinen auffinden können. Aber es gibt doch noch richtige Nikoläuse!


Freilich kann man den Weinachtsmännern auch selbst abhelfen, indem man ihnen Mitra und Stab anzieht, aber der hier hat sogar eine Bibel in der Hand.

Fehlen eigentlich nur noch die drei goldenen Kugeln, die seit dem Mittelalter zu seinen Attributen gehören. Die soll er zwei jungen Damen durchs Fenster geworfen haben, damit sie nicht mangels Mitgift zur Tempelprostitution gezwungen sein sollten. Das mit der Prostitution im Tempel ist umstritten, aber schrecklich beliebt war er jedenfalls, der Heilige Bischof von Myra.


Christus segnet
Kaiser Otto II. und
Kaiserin Theophanu
Vor allem ein paar Jahrhunderte später. Erst wurde er Patron der Gefangenen. Weil er Unschuldige im Gefängnis vor der Hinrichtung gerettet hatte.
972 heiratete Theophanu, die Nichte des byzantinischen Kaisers, Kaiser Otto II. und brachte die Kunde vom Heiligen Nikolaus in den Westen. Als dann 1085 Bewohner und Mönche von Myra vor den Sarazenen in den Westen flohen, war kein Halten mehr. Schiffsleute wählten ihn zum Patron, Kaufleute - und Betrüger gleich mit, wie immer man das interpretieren mag.
Und natürlich, das wichtigste: Er wurde Patron der Schüler. Er soll nämlich drei ermordete Schüler wiederbelebt haben.

Krampus und Rute haben ebenso wie Knecht Ruprecht ganz anderen Ursprung und wurden großzügig von neuzeitlichen Pädagogen missbraucht, bis der Nikolaus dahinter zu verschwinden drohte.
Der Nikolaustag im Mittelalter war ein außerordentlich fröhlicher, ein einzigartiger und hoher Feiertag: Äbte und Bischöfe mussten ihren Stuhl räumen und für einen Abend oder länger regierte ein von den Schülern gewählter Kinderbischof in den Dom- und Klosterschulen.

Wenn das Magnificat erklang und die Zeile gesungen wurde: "Er stürzt die Mächtigen vom Tron und erhöht die Niedrigen", dann war es mit der Macht der Mächtigen vorbei: Die Prozession mit dem Kinderbischof und allen Schülern zog ein, der Schulvorsteher hatte seinen Platz zu räumen. Die Zukunft der Gottesherrschaft hat in diesem hochheiligen Spiel schon begonnen.

Der Schülerbischof feierte in aller Form die Vesper zuende und hatte alle Aufgaben zu erfüllen, die ihm als Vorsteher zukamen. Vor allem leitete er das Schuldkapitel, in dem alle, ob Koch, Magister oder Geistlicher Herr, der wo immer den Schülern ein unrecht zugefügt hatten, vor den Bischofsstuhl gerufen wurden. Der Schülerbischof durfte rügen und strafen, genau wie der Schulvorsteher sonst. Er verteilte aber auch Süßigkeiten als Zeichen der Anerkennung.


Etwas davon ist mancherorts noch an der Figur des Nikolaus haften geblieben. An der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen zum Beispiel ist die traditionelle Nikolausfeier ein fröhlich-satierischer Abend, bei dem kein Dozent vor Parodien sicher ist.
Gekrönt wird die Feier vom Kommen des Nikolaus. Das Ritual steht fest: Man steht auf, wenn feierlich der Heiligen Bischof von Ministranten geleitet einzieht. Von der Bühne ruft er die Dozenten und Mitarbeiter von Hochschule und Priesterseminar, trägt gereimte Texte vor und verteilt Schoko-Weihnachtsmänner. Niemand außer dem Kern der Organisatoren darf vorher wissen, wer unter der Verkleidung stecken wird.
Den Nikolaus verkörpert ein Dozent oder ehemaliger Dozent der Hochschule. Die Texte aber, die er aus dem großen Buch vorlesen muss, haben andere geschrieben.

Manchmal kommt ja noch ein Nikolaus mit Buch in die Häuser.

Wer aber könnte sich heute solch ein Theater in einer Kirche vorstellen? Kinder inzensieren feierlich den Altar? Schüler auf dem Bischofsstuhl?
Wer würde sich heute noch sowas trauen?


Bild Kerzen: Wildfeuer: Zwei Kerzen (some rights reserved)
Bild Otto I. / Theophanu: Clio20: Krönung von Otto II. und Theophanu (some rights reserved)
Beide verlinkt von Wikimedia Commons

Sonntag, 29. November 2009

Erster Advent!

Hallo allesamt irgendwo da draußen...

...ich wünsche Euch allen einen gesegneten ersten Advent!

Als wir am Samstag für die Hörfunkwerkstatt - nur zum Ausprobieren - auf in Frankfurt mit dem Mikro unterwegs waren und die Leute nach adventlichen Gefühlen einen Tag vor dem 1. Advent fragten, sagte einer statt "Advent" immer "Adventskalender".

Es war ein Mann türkischer Herkunft, und natürlich muss der wirklich nicht viel über christliche Bräuche wissen. Er selbst nennt sich "nicht religiös", legt jedoch großen Wert darauf, dass die Kinder auch an den einheimischen Bräuchen teilhaben, darum haben sie auch einen Adventskalender wie die anderen Kinder.

Advent bedeutet "Ankunft". Worauf wir warten, wissen allerdings auch viele andere nicht mehr. Als Kinder haben wir natürlich auf Weihnachten gewartet. Auf die Kerzen am Baum und den Duft und die Geschenke.

Würden wir jedoch nur auf Weihnachten, das Familienfest warten, bräuchten wir keine vier Wochen Besinnungszeit davorschalten. Es ist nicht Weihnachten, auf das wir warten, sondern das Kommen Jesu Christi.

Die ersten Wochen des Advent sind im liturgischen Kalender der Kirche gar nicht weihnachtlich ausgerichtet: Die Texte sprechen von der Wiederkunft Christi, vom Kommen des Erlösers zum Gericht, vom Ende all dessen, worin wir uns eingerichtet haben.
Erst kurz vor Weihnachten wird die Geburt Jesu thematisiert.

Immer geht es aber darum, dass Jesus zu uns kommt. Weder darum, dass etwas in der Vergangenheit geschehen ist, noch darum, dass es einst geschehen wird: Sondern darum, jetzt auf Jesus zu warten, mitten in unserem Alltag ihm die Tür unseres Herzens zu öffnen und ihm Einlass zu gewähren.

Für Christen ist darum das ganze Jahr Advent.


Foto: 4028mdk09 "Einzelne brennende Kerze" (some rights reserved) auf Wikimedia Commens