Vermutlich sind auch Menschen gestorben, aber das ist nicht der Anlass dieser Sonntagsmesse gewesen. Obwohl die Texte permanent von der Freude sprachen - es ist ja auch der Sonntag "Gaudete" ("Freut euch")- konnte ich mich des Eindrucks einer Friedhofsstimmung nicht entziehen. Selbst wenn man vielleicht abziehen muss, dass ich selbst gerade recht glücklich bin.
"Gott liebt einen fröhlichen Geber", sagt Paulus im 2. Brief an die Korinther (9,7).
Ich habe gewiss nichts gegen Predigten, die auf die Not bei uns und in der Welt aufmerksam machen. Und ganz gewiss nichts gegen Besinnung. Ich frage mich nur, wieso beides nicht mit Freude vereinbar ist.
Ich meine keinesfalls, dass der Tod und die Trauer nicht thematisiert werden dürfen, aber genau darum ging es ja gar nicht. Es ist nur schlicht ein Widerspruch zwischen Text und Atmosphäre. Möglicherweise beabsichtigt, doch was, meine ich, geschieht, ist anderes: Nicht die Situation derer, die dringend unserer Hilfe bedürfen, macht uns traurig, sondern diese Menschen werden in den Gedanken der Hörer selbst mit einem Trauerflor umgeben, wie wenn sie am traurigen Advent die Schuld trügen.
Tun sie nicht.
Und die Armen dürfen gefällist auch ohne uns fröhlich sein und müssen nicht allein unser Bedürfnis der Anerkennung unserer guten, barmherzigen Werke erfüllen. Wenn sie betrübt sind, auch das ist ihr gutes Recht. Sie müssen nicht mal dankbar uns zunicken.
Sie dürfen, freilich. Aber sie sind ganz einfach Menschen, die Armen wie die Reichen. Es gibt keinen "guten Geber" in diesem Spiel, sondern nur Menschen mit Bedürfnissen.
Und alle wollen leben. Alle wollen anerkannt sein. Alle wollen glücklich sein.
Freut Euch! Und nocheinmal sage ich: Freut Euch!
Christus befreit uns dazu, ein fröhlicher Geber zu werden.
Bild: Peter Becker: Candles in the dark (some rights reserved) auf flickr
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