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Samstag, 28. November 2009

Vor mir das Nadelöhr

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24



Also: Vor mir das Nadelöhr. Wie komm ich da durch?

Gar nicht, bin zu dick.
Gar sowieso nicht, sagt Jesus: Da kommt niemand rein, ohne dass Gott es ermöglicht.
Stimmt ganz klar.

Wieso ist der Eingang eigentlich so schmal und winzig?
Nicht mal durchgucken kann man richtig. Schlüsselloch ist nichts dagegen.

Und drumrum sieht alles aus wie immer. Nur da ist dieser Gateway, nein dieses unpassierbare Türchen, durch das man irgendwie durchkommt, bloß nicht so wie in den Computerspielen, wo sich ein Tor irgendwie öffnen lässt mit einem Trick und dann kann man durch und drüben weiter machen.

Genau das kann man nicht: Weitermachen.
Im Computerspiel ist die Welt auf der anderen Seite manchmal eine andere. Aber die Regeln sind diesselben. Im Prinzip zumindest.


Im Reich Gottes? Kann irgendwer sich vorstellen, dass da diesselben Regeln gelten wie in unserem Alltag und in unserem Staatswesen?
Blödsinn. Natürlich nicht. Sonst könnten wir eigentlich auch hier bleiben.

Gehen wir mal davon aus, wir wollen auch tatsächlich auf die andere Seite. Was ja keineswegs von vorne herein gesagt ist. Wie gesagt, man kann sich's ja nicht erstmal anschauen.

Also, es ist gänzlich anders irgendwie. Und doch nicht: Denn Jesus sagt ja: Das Reich Gottes ist mitten bei den Menschen schon da. Wenigstens dort, wo Jesus ist. Er ist drin. Und die um ihn rum, sind vielleicht auch drin. Andere auch nicht.

Andere Regeln gelten auf jeden Fall. Ich würde sagen, eine:
Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Johannes 13,34
Und Johannes kommentiert:
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.
1. Brief des Johannes 4,8
Alles andere folgt daraus.


Vielleicht hilft uns das aber doch weiter, die Sache mit dem Gateway: Meistens (jedenfalls, wenn man es das erste mal spielt) hat man keine Ahnung, was einen auf dem nächsten Level oder hinter dem Gateway erwartet.



Man kann also nur drauf vorbereitet sein, dass irgendwas anders ist und etwas anderes vom Spieler gefordert ist. Ansonsten muss man einfach durchgehen. Und schaun, was passiert.

Man kann sich entweder drauf einlassen - oder es lassen.
Im Spiel kann einem allerdings, objektiv betrachtet, nicht viel passieren, allenfalls verliert man seine Spielfigur, und oft hat man ja auch noch ein paar Leben in Reserve.

Aber was, wenn ich mich aufs Reich Gottes einlasse?
Da ist doch Liebe, oder? Da kann mir doch gar nichts passieren, oder?
Oder??!

Mir kann alles passieren. Genau das ist es ja.
Mir wird alles passieren.

Mir wird all das passieren, von dem ich mir nicht vorstellen kann - vielleicht auch nicht will! - dass es mir passiert.
Ich finde heraus, dass alle Menschen sind z.B., auch die, die ich gar nicht dafür halten will.
Ich finde heraus, dass ich geliebt bin. Ihr glaubt gar nicht, wie unangenehm das sein kann, dass Gott so nah ist, dass er einen berührt.
Und alles ist gemeinsam. Einheit in Vielfalt, aber nicht Wörter, die in Dokumenten oder Programmen stehen, nein, in Wirklichkeit. Totale Unterscheidung. Totale Einheit. Viel zu krass.
Ich meine wirklich, dass es einem passiert.

Aber das unmöglichste daran ist das Tor.

Das ist der Gekreuzigte. Der führt genau rein.




Foto 2: Toshihiro Oimatsu "in the Tunnel" (some rights reserved) auf piqs.de

Dienstag, 6. Oktober 2009

Jesus gewinnen

Wort des Lebens Oktober 2009
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19


Ich bin schon ein paar Mal in Situationen gewesen, wo ich standhalten musste. Und ich kann Euch sagen, das ist gar nicht lustig gewesen.
Die Erinnerung ist nichts von einem Triumpfgefühl.

Man wird euch festnehmen und verfolgen. Vor Gerichte bringen, ins Gefängnis werfen, vor Machthaber zerren. Alles wegen Jesus. Dann habt ihr Gelegenheit, Zeugnis abzulegen.
So geht der Textabschnitt los, aus dem das Wort des Lebens vom Oktober stammt. Schöne Aussicht.

Es ist knallehart. Auch wenn der Geist die richtigen Worte eingibt, wie es weiter heißt. Das tut er auch. Nur wird es davon noch alles andere als ein sommerlicher Abendspaziergang. Du bist es immer noch selber, der es erleidet.


Standhalten ist was anderes als Recht behalten. Was anderes als seine Meinung durchpeitschen. Als Härte zeigen oder sich durchsetzen. Auch nicht den Glauben brüllend verteidigen oder die Muskeln spielen lassen.
Dieses Standhalten, um das es hier geht, ist ein Festhalten an der Liebe, auch da, wo man keine erfährt.


Festhalten an dem, was man als wahr erkannt hat, ohne dem Unverständnis mit Gebrüll, Hohn oder Gewaltmitteln zu begegnen. Ohne mit "gleicher Münze" heimzuzahlen. Das bedeutet, es auszuhalten, dass es weh tut.
Mir, nicht dem anderen.

Es tut weh, sich nicht abzuwenden von Demütigung, die man erleidet. Am liebsten würden wir draufschlagen statt allein mit vernünftigen Argumenten dagegen zu halten.

Gedemütigte Menschen sind gefährlich. Gegen die rasende Wut und tödliche Gewalt in mir, wenn sie schon da ist, gibt es nur ein Mittel: Sie ansehen als das, was sie ist, und aushalten, dass ich so bin. Ich habe nicht recht, wenn ich mir rausnehme, mit "Recht" Rache nehmen zu wollen. Menschlich verständlich ist das. Der Liebe des Gekreuzigten widerspricht es.

In der Begegnung mit Jesus geschieht dreierlei:
  • Ich erkenne, dass ich nicht in seiner Liebe bin.
  • Ich werde dennoch von ihm angenommen und von seiner Liebe umfangen. 
  • Ich werde verändert. Verantwortungsbereiter. Freier.  Liebevoller. Ihm ähnlicher.
Alles das geschieht zusammen, eines nicht ohne das andere.


Je mehr ich in sein Bild verwandelt werde und dabei lerne, was das ist, was er gelebt hat, desto mehr beginne ich den anderen zu sehen. Auch den, der mich nicht freundlich empfängt. "Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?  Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?", sagt Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 5, 46-47).
Den sehen, der in seinem Nicht-Verstehen nach Leben hungert, und in seinem Angriff seine Wunden zu schützen sucht.

Ich lerne zu lieben, wo nichts für den anderen zu sprechen scheint. Wo mir tatsächlich und wahrhaftig Unrecht geschieht.
So ist es Jesus selbst gegangen.


Nein, das rechtfertigt nicht das Tun des anderen, und ich soll auch nicht alles stehen lassen, sonst werden Dritte davon betroffen. Im Gegenteil. Manchmal muss ich dann was sagen, wenn ich mit Widerstand rechnen kann. Ich habe vielleicht Angst davor. Wahrscheinlich habe ich Angst.

Keiner wird aber klüger davon, dass ich mich genauso aufführe.
Keiner wird liebevoller davon, dass ich die Liebe aussetze.


Die Liebe "in Kraft setzen" ist das Anliegen Jesu. Aushalten kann ich das nur, wenn Jesus in mir lebt, mit seinen Wunden, seiner Angst und seiner Einsamkeit. Er, der Gerechte, der den Verbrechern und Verdammten zugerechnet wurde.

Wer diesen Menschen liebt, wer bei ihm steht in seiner Liebe und nicht mehr an Rache denkt, der ist frei von den Todesmächten, die nach uns greifen. Der hat gewonnen. Der hat ihn, Jesus, das Leben.