und einen frohen Nikolaustag,
Euch allen da draußen im weltweit vernetzten Raum!
Die letzten Jahre habe ich keinen auffinden können. Aber es gibt doch noch richtige Nikoläuse!
Freilich kann man den Weinachtsmännern auch selbst abhelfen, indem man ihnen Mitra und Stab anzieht, aber der hier hat sogar eine Bibel in der Hand.
Fehlen eigentlich nur noch die drei goldenen Kugeln, die seit dem Mittelalter zu seinen Attributen gehören. Die soll er zwei jungen Damen durchs Fenster geworfen haben, damit sie nicht mangels Mitgift zur Tempelprostitution gezwungen sein sollten. Das mit der Prostitution im Tempel ist umstritten, aber schrecklich beliebt war er jedenfalls, der Heilige Bischof von Myra.
Vor allem ein paar Jahrhunderte später. Erst wurde er Patron der Gefangenen. Weil er Unschuldige im Gefängnis vor der Hinrichtung gerettet hatte.
972 heiratete Theophanu, die Nichte des byzantinischen Kaisers, Kaiser Otto II. und brachte die Kunde vom Heiligen Nikolaus in den Westen. Als dann 1085 Bewohner und Mönche von Myra vor den Sarazenen in den Westen flohen, war kein Halten mehr. Schiffsleute wählten ihn zum Patron, Kaufleute - und Betrüger gleich mit, wie immer man das interpretieren mag.
Und natürlich, das wichtigste: Er wurde Patron der Schüler. Er soll nämlich drei ermordete Schüler wiederbelebt haben.
Krampus und Rute haben ebenso wie Knecht Ruprecht ganz anderen Ursprung und wurden großzügig von neuzeitlichen Pädagogen missbraucht, bis der Nikolaus dahinter zu verschwinden drohte.
Der Nikolaustag im Mittelalter war ein außerordentlich fröhlicher, ein einzigartiger und hoher Feiertag: Äbte und Bischöfe mussten ihren Stuhl räumen und für einen Abend oder länger regierte ein von den Schülern gewählter Kinderbischof in den Dom- und Klosterschulen.
Wenn das Magnificat erklang und die Zeile gesungen wurde: "Er stürzt die Mächtigen vom Tron und erhöht die Niedrigen", dann war es mit der Macht der Mächtigen vorbei: Die Prozession mit dem Kinderbischof und allen Schülern zog ein, der Schulvorsteher hatte seinen Platz zu räumen. Die Zukunft der Gottesherrschaft hat in diesem hochheiligen Spiel schon begonnen.
Der Schülerbischof feierte in aller Form die Vesper zuende und hatte alle Aufgaben zu erfüllen, die ihm als Vorsteher zukamen. Vor allem leitete er das Schuldkapitel, in dem alle, ob Koch, Magister oder Geistlicher Herr, der wo immer den Schülern ein unrecht zugefügt hatten, vor den Bischofsstuhl gerufen wurden. Der Schülerbischof durfte rügen und strafen, genau wie der Schulvorsteher sonst. Er verteilte aber auch Süßigkeiten als Zeichen der Anerkennung.
Etwas davon ist mancherorts noch an der Figur des Nikolaus haften geblieben. An der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen zum Beispiel ist die traditionelle Nikolausfeier ein fröhlich-satierischer Abend, bei dem kein Dozent vor Parodien sicher ist.
Gekrönt wird die Feier vom Kommen des Nikolaus. Das Ritual steht fest: Man steht auf, wenn feierlich der Heiligen Bischof von Ministranten geleitet einzieht. Von der Bühne ruft er die Dozenten und Mitarbeiter von Hochschule und Priesterseminar, trägt gereimte Texte vor und verteilt Schoko-Weihnachtsmänner. Niemand außer dem Kern der Organisatoren darf vorher wissen, wer unter der Verkleidung stecken wird.
Den Nikolaus verkörpert ein Dozent oder ehemaliger Dozent der Hochschule. Die Texte aber, die er aus dem großen Buch vorlesen muss, haben andere geschrieben.
Manchmal kommt ja noch ein Nikolaus mit Buch in die Häuser.
Wer aber könnte sich heute solch ein Theater in einer Kirche vorstellen? Kinder inzensieren feierlich den Altar? Schüler auf dem Bischofsstuhl?
Wer würde sich heute noch sowas trauen?
Bild Kerzen: Wildfeuer: Zwei Kerzen (some rights reserved)
Bild Otto I. / Theophanu: Clio20: Krönung von Otto II. und Theophanu (some rights reserved)
Beide verlinkt von Wikimedia Commons


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