Dienstag, 13. Oktober 2009

Gegen falschen Heroismus

Wort des Lebens Oktober 2009:

„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19
Wenn ich lese: "Wir waren bereit, füreinander zu sterben" (Chiara Lubich) oder noch mehr "Wir müssen bereit sein, füreinander zu sterben", dann weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll. Verliebte reden so. Jugendliche Idealisten manchmal.

Ich bin dazu nicht bereit. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Da tauchen Bilder von Folteropfern vor mir auf, die Amnesty International veröffentlicht hat. Ich erinnere mich an angebliche Hexen und Häretiker, die unter den Augen der Kirche lebendig verbrannt wurden, und wie man mit der einheimischen Bevölkerung in Amerika verfuhr. Ich sehe vor mir die versammelten  Grausamkeiten in den Konzentrationslagern der Nazis und die Bestialität, mit der der Völkermord in Ruanda getobt hat. Nein, keinesfalls bin ich bereit, mich so quälen zu lassen.

Ich bin kein Held. Und wenn der Heilige Laurentius noch so heilig wäre: Ich will dennoch nicht bei lebendigem Leib gegrillt werden.


Es wäre einfach gelogen, wenn ich behaupten würde, ich bin dazu bereit.


Ich habe alle erdenklichen Greuel im Kopf, zu denen Menschen fähig sind. Ich bin mir sicher, dass ich ebenfalls zu solchem Verhalten imstande bin, und ganz bestimmt dazu, zuzulassen dass anderen dies geschieht.

Ich bin nicht Jesus. Er mag die unaussprechliche Liebe in sich gehabt haben, die alle umfasst und allen Schmerz und alles Leid erduldet.


Ich liebe das Leben viel zu sehr. Ich halte nichts von heroischen Wörtereien.
Ich glaube jemandem das bestenfalls, wo der alltägliche "Kleinkram" davon spricht.

Und was mich angeht: Ich überlasse das dem, der die Liebe ist. Soll er doch tun, was er will...


(Bild: Marie-Lan Nguyen (Jastrow), Wikimedia Commens)

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