Sonntag, 29. November 2009

Erster Advent!

Hallo allesamt irgendwo da draußen...

...ich wünsche Euch allen einen gesegneten ersten Advent!

Als wir am Samstag für die Hörfunkwerkstatt - nur zum Ausprobieren - auf in Frankfurt mit dem Mikro unterwegs waren und die Leute nach adventlichen Gefühlen einen Tag vor dem 1. Advent fragten, sagte einer statt "Advent" immer "Adventskalender".

Es war ein Mann türkischer Herkunft, und natürlich muss der wirklich nicht viel über christliche Bräuche wissen. Er selbst nennt sich "nicht religiös", legt jedoch großen Wert darauf, dass die Kinder auch an den einheimischen Bräuchen teilhaben, darum haben sie auch einen Adventskalender wie die anderen Kinder.

Advent bedeutet "Ankunft". Worauf wir warten, wissen allerdings auch viele andere nicht mehr. Als Kinder haben wir natürlich auf Weihnachten gewartet. Auf die Kerzen am Baum und den Duft und die Geschenke.

Würden wir jedoch nur auf Weihnachten, das Familienfest warten, bräuchten wir keine vier Wochen Besinnungszeit davorschalten. Es ist nicht Weihnachten, auf das wir warten, sondern das Kommen Jesu Christi.

Die ersten Wochen des Advent sind im liturgischen Kalender der Kirche gar nicht weihnachtlich ausgerichtet: Die Texte sprechen von der Wiederkunft Christi, vom Kommen des Erlösers zum Gericht, vom Ende all dessen, worin wir uns eingerichtet haben.
Erst kurz vor Weihnachten wird die Geburt Jesu thematisiert.

Immer geht es aber darum, dass Jesus zu uns kommt. Weder darum, dass etwas in der Vergangenheit geschehen ist, noch darum, dass es einst geschehen wird: Sondern darum, jetzt auf Jesus zu warten, mitten in unserem Alltag ihm die Tür unseres Herzens zu öffnen und ihm Einlass zu gewähren.

Für Christen ist darum das ganze Jahr Advent.


Foto: 4028mdk09 "Einzelne brennende Kerze" (some rights reserved) auf Wikimedia Commens

Samstag, 28. November 2009

Vor mir das Nadelöhr

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24



Also: Vor mir das Nadelöhr. Wie komm ich da durch?

Gar nicht, bin zu dick.
Gar sowieso nicht, sagt Jesus: Da kommt niemand rein, ohne dass Gott es ermöglicht.
Stimmt ganz klar.

Wieso ist der Eingang eigentlich so schmal und winzig?
Nicht mal durchgucken kann man richtig. Schlüsselloch ist nichts dagegen.

Und drumrum sieht alles aus wie immer. Nur da ist dieser Gateway, nein dieses unpassierbare Türchen, durch das man irgendwie durchkommt, bloß nicht so wie in den Computerspielen, wo sich ein Tor irgendwie öffnen lässt mit einem Trick und dann kann man durch und drüben weiter machen.

Genau das kann man nicht: Weitermachen.
Im Computerspiel ist die Welt auf der anderen Seite manchmal eine andere. Aber die Regeln sind diesselben. Im Prinzip zumindest.


Im Reich Gottes? Kann irgendwer sich vorstellen, dass da diesselben Regeln gelten wie in unserem Alltag und in unserem Staatswesen?
Blödsinn. Natürlich nicht. Sonst könnten wir eigentlich auch hier bleiben.

Gehen wir mal davon aus, wir wollen auch tatsächlich auf die andere Seite. Was ja keineswegs von vorne herein gesagt ist. Wie gesagt, man kann sich's ja nicht erstmal anschauen.

Also, es ist gänzlich anders irgendwie. Und doch nicht: Denn Jesus sagt ja: Das Reich Gottes ist mitten bei den Menschen schon da. Wenigstens dort, wo Jesus ist. Er ist drin. Und die um ihn rum, sind vielleicht auch drin. Andere auch nicht.

Andere Regeln gelten auf jeden Fall. Ich würde sagen, eine:
Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Johannes 13,34
Und Johannes kommentiert:
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.
1. Brief des Johannes 4,8
Alles andere folgt daraus.


Vielleicht hilft uns das aber doch weiter, die Sache mit dem Gateway: Meistens (jedenfalls, wenn man es das erste mal spielt) hat man keine Ahnung, was einen auf dem nächsten Level oder hinter dem Gateway erwartet.



Man kann also nur drauf vorbereitet sein, dass irgendwas anders ist und etwas anderes vom Spieler gefordert ist. Ansonsten muss man einfach durchgehen. Und schaun, was passiert.

Man kann sich entweder drauf einlassen - oder es lassen.
Im Spiel kann einem allerdings, objektiv betrachtet, nicht viel passieren, allenfalls verliert man seine Spielfigur, und oft hat man ja auch noch ein paar Leben in Reserve.

Aber was, wenn ich mich aufs Reich Gottes einlasse?
Da ist doch Liebe, oder? Da kann mir doch gar nichts passieren, oder?
Oder??!

Mir kann alles passieren. Genau das ist es ja.
Mir wird alles passieren.

Mir wird all das passieren, von dem ich mir nicht vorstellen kann - vielleicht auch nicht will! - dass es mir passiert.
Ich finde heraus, dass alle Menschen sind z.B., auch die, die ich gar nicht dafür halten will.
Ich finde heraus, dass ich geliebt bin. Ihr glaubt gar nicht, wie unangenehm das sein kann, dass Gott so nah ist, dass er einen berührt.
Und alles ist gemeinsam. Einheit in Vielfalt, aber nicht Wörter, die in Dokumenten oder Programmen stehen, nein, in Wirklichkeit. Totale Unterscheidung. Totale Einheit. Viel zu krass.
Ich meine wirklich, dass es einem passiert.

Aber das unmöglichste daran ist das Tor.

Das ist der Gekreuzigte. Der führt genau rein.




Foto 2: Toshihiro Oimatsu "in the Tunnel" (some rights reserved) auf piqs.de

Donnerstag, 26. November 2009

Wer will durchs Nadelöhr ?

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24

Ich hab mir grad gedacht, welches Kamel eigentlich durch ein Nadelöhr will?
Welches Kamel kommt denn auf so eine Idee?

Kann es sein, dass es uns Reichen genauso geht?
Dass wir ganz was anderes suchen als ein Nadelöhr, durch das wir ins Reich Gottes reinkommen könnten?
Wir meinen doch, selbst das Zentrum von allem zu sein.

Mittwoch, 25. November 2009

Ausstellung II: Irritationen mal anders

Wenn Kunst Irritationen hervorruft, wundert sich heute keiner mehr. Manche versprühen sich dann vor Enthusiasmus, andere sind pikiert und der Rest winkt schon von weitem ab. Manchmal scheint die "Kunst" im Aufsehen-Erregen zu bestehen.

Annemaries Kunst ist ganz anders.

Sie ist still und dabei voller Kraft.
Sie kann warten bis du Zeit für sie hast.


Etwas Zeit wollen die Bilder schon haben.
Dafür schenken sie dir alle Energie, die die Künstlerin in sie hineingearbeitet hat, ihre Liebe, Leidenschaft und Hoffung. Sie rufen dich in die Tiefe deiner Seele, wo deine eigene Sehnsucht wartet.

Ich würde gerne ein Meditationhaus bauen, nur um sie so aufhängen zu können, wie ich sie empfinde.


Sie scheinen mir gar nicht zu passen in dieses Ambiente von Präsentieren und Repräsentieren und Redenhalten, wie es zu einer Vernissage und zu einem Rat- und Bürgerhaus gehört. Auch wenn so viele Freunde da sind und die Atmosphäre gar nichts Gekünsteltes an sich hat. Ich unterhalte mich, fast hätte ich gar nicht alles angeschaut.
Sie scheinen sich einfach zu schämen, die Bilder, wenn man sie so der Reihe nach beglotzt.

Glaubst du nicht? Bilder können sich nicht schämen? Die Bilder verschwinden einfach, wenn man sie so unverholen gierig ansieht, sie verstecken sich dann hinter ihrer Färbung. Aber das sind sie gar nicht.

Du musst dich davor stellen. Und warten. Und sie reden lassen. Und dann sprechen sie zu dir. So wie nur die liebende Gegenwart von dem ganz Unaussprechlichen es weiß. Vielleicht sogar etwas, was du gar nicht wissen wolltest.


Einige sind als kleine Serie erkennbar. Die Farbspiele, die feinen Nuancen, klettern von einem Bild in das nächste. Die Einzelnen kommunizieren, man kann sie sprechen sehen, über die Grenzen der Welten hinweg, die sie öffnen.

Mit einem anderen möchte man ganz allein sein. Möchte es retten vor dem Lärmen und den naherückenden Nachbarwerken. Es errichtet Wände eines Schutzraumes, dessen man plötzlich zu bedürfen meint. Nur um sich ihm, das sich dem Betrachter ausliefert, hinzugeben.

Eines öffnet die Tür zum Licht. Die Sehnsucht ist schon hindurchgeschlüpft. Und man steht vergessend, sieht. Sieht.

Ein anderes schmerzt unter lichter Gewalt. Verwurzelt in Erde und Himmel, berstend aus der Achse gerissen. Schon rinnt blaues Licht aus dem Boden.

Was mehr?
Kann man es überhaupt allein mit so einem Bild im Raum aushalten?


Und da, sind das Bäume oder sind es Menschen? Sich erhebend Wurzelnde, liebend einander freilassend, umkreisen den Blick füreinander, nackt für solches Licht in ihrer Mitte, das sie zueinander umfängt.

Ich verschwinde für einige Augenblicke aus diesem Drumherum, wie vorhin zu zweit aus dem S-Bahnhof.


Aber die Vernissage holt mich doch wieder ein. Und das ist ja das eigentliche: Menschen. Und da sprechen mich plötzlich Leute an, die mein Gesicht, diesen blog kennen. Plötzlich weiß man, dass es jemand gelesen hat. Jemand, der mir das erste Mal in echt begegnet.

Nur etwas daran irritiert mich völlig: Sie sprechen mich erstmal mit "Sie" an. Ich hab noch zu niemandem in der Bewegung "Sie" gesagt.

Ich tu es auch jetzt nicht. Es bringt mich schier ganz durcheinander. Wenn Du also einer von denen bist, die mich dort das erste Mal getroffen haben, dann entschuldige, falls ich etwas daneben gewesen sein sollte.

Ich fühle mich wie eines von Annemaries Bildern, wie es ratlos auf einer Vernissage im Rathaus steht.
Ehmm, ja.

Ich verschwinde dann mal ganz ungeniert hinter meiner Färbung.

Nein, ich bin noch da. Ah, da ist Annemarie. Und da kommt Dieter. Lebendige Ikonen sind doch die besten. Die von Gott gemachten.
Auch wenn Annemaries Bilder sowas wie lebendig sind.

Jedes Bild hat seinen Heiligen, sagt Annemarie zu uns. Ich glaube, der beschützt gar nicht so viel das Bild. Der hilft den Leuten, die es anschauen, ins Reich Gottes zu sehen. Wie Heilige und Ikonen das eben so machen.

Andrew wartet schon. Bis bald.

Dienstag, 24. November 2009

Ausstellung: Annemarie Baumgarten / Hung

Annemarie Baumgarten, Frankfurt, stellt ihre Werke aus. Die unbedingt sehenswerten Bilder hat sie unter den Titel
Metamorphosen auf Mutter Erde
gestellt. Zu sehen sind noch bis 11. Dezember 2009 einige ältere sowie die ganz neuen Werke.

Passend dazu hat auch der in Hong Kong geborene, in Loppiano, Italien lebende Künstler Hung einiges aus seinem Werk ausgewählt. Die metallenen Skulpturen lenken den Blick, indem sie reduzieren, auf unwesentliches verzichten. Sie lassen weg und gefüllter Leerraum bleibt übrig.

Gestern Abend wurde die Ausstellung in Kriftel gemeinsam mit den Künstlern und vielen Freunden und anwesenden Gästen vom Vorsitzenden des Kulturforums Kriftel, das die Künstler zu der Ausstellung eingeladen hat, mit Sekt, Laudatio und Musik eröffnet.


Rat- und Bürgerhaus Kriftel
Foyer (Erdgeschoß + 1. Stock)
Frankfurter Straße 33-37
65830 Kriftel

Geöffnet:
Montag - Mittwoch: 8 bis 16 Uhr
Donnerstag: 8 bis 18 Uhr
Freitag: 8 bis 12 Uhr

S-Bahnstation Kriftel
--> von Frankfurt kommend in Fahrtrichtung rechts --> Bahnhofstraße
--> bis Frankfurter Straße (erste größere Straße, Uhr gegenüber)
--> rechts --> auf der linken Straßenseite

Bild rechts: "Geprüft im Feuer"
Danke, Annemarie, für die Erlaubnis, es hier zu zeigen!

Montag, 23. November 2009

Arm oder reich?

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24


Ein Kamel durch ein Nadelöhr buksieren, stelle ich mir eher anstrengend vor. Und ich vermute, es bleibt vom Kamel nicht so recht was übrig dabei.

Für deutsche Verhältnisse würde mich sicher kein Mensch als reich einstufen. Wenn ich aber nach Indien blicke oder in afrikanische Staaten, dann bin ich mir fast sicher, dass ich demnächst im Reichtum ersticken werde!


Manchmal denke ich: Dieses vollgestopfte Zimmer! Und dann wünsche ich mir manchmal ein ganz leeres Zimmer herbei.

Aber leere Zimmer in Deutschland - nun, das können sich hier nur reiche Leute leisten, nicht war? Alle anderen Leben in allen Zimmern, die sie haben. Alle anderen heben auf.

Seltsam ist das schon.
Was aber noch seltsamer ist, ist die Tatsache, dass die Reichen immer denken, dass die anderen ja gar nicht so viel brauchen. Also ich z.B. dass die in Indien - ja was eigentlich?

Essen, einen sicheren Schlafplatz, Hygiene, Gesundheitsversorgung, frisches Wasser, Kleidung, das braucht jeder. Und dann sind da noch die Grundlagen, um am sozialen Leben teil zu haben. Und die sind, was sich unterscheidet.
Aber die sind auch nicht festgelegt, wir können sie gestalten. Es müsste nicht so sein, dass jeder seine Wohnung mit Zeug vollstopft, das er irgendwann mal brauchen könnte. Wieso ist das Zeug inzwischen nicht bei denen, die es brauchen? Wieso kommt nicht das, was nötig ist, dann wenn wir es brauchen?

Oder käme es vielleicht? Und wir sind nur nicht bereit, darum zu bitten?


Warum sind wir so bettel-arm in unserem Reichtum? Vielleicht, weil wir die berufsmäßigen Bettler auf den Straßen so widerlich finden. Und weil uns die Bettelbriefe irgendwelcher mehr oder weniger obskurer Organisationen den Glauben daran, dass unsere kleine Barmherzigkeit etwas bewirkt, gänzlich zerstören. Und weil wir "nach oben" wollen und uns erzählt wird, in Deutschland führen die Armen nagelneue BMWs.

Aber reich ist doch auch niemand, oder? Reich sind doch immer "die anderen", "die da oben", die "Großkopferden". Wer würde sich selbst schon zu "den Reichen" zählen. Das klingt doch schon so verdächtig nach: Dann will vielleicht wer was von mir.

Wir wissen nur, wie man teilt, aber nicht, wie man miteinander teilt. Drum braucht jedes Kind einen eigenen Fernseher.

Jedem seime eigene Einsamkeit. Seine eigenen Papierstapel. Seine eigenen Wahlprogramme.

Kein Wunder, dass dafür kein Platz ist im Reich Gottes.

Montag, 9. November 2009

Tag Geistlicher Gemeinschaften

Der diesjährige "Tag Geistlicher Gemeinschaften" hat am Samstag in Würzburg stattgefunden. Ich bin dabei gewesen und habe Fotos gemacht.

Ein bis hinten gefüllter Dom, einschließlich bestuhlter Querschiffe.
Mitglieder von Geistlichen Gemeinschaften aus dem evangelischen (von Landeskirche bis Freie Gemeinden), katholischen und auch orthodoxen Bereich trafen sich einen Tag lang, um ein Zeichen zu setzen, dass sie als Christen "Gemeinsam für Europa" unterwegs sind.

Die Entdeckungsreise auf der Suche nach dem Reichtum der Charismen, die sich in den unterschiedlichen Gemeinschaften ausformen, hatte 2004 auf einem Kongress in Stuttgart begonnen. Seitdem ist viel gewachsen und es wurden 7 "Ja" formuliert, die von allen getragen sind:
  • Ein Ja zum Leben von Beginn bis zuletzt.
  • Ein Ja zu Ehe und Familie
  • Ein Ja zur chöpfung
  • Ein Ja zur Wirtschaft
  • Ein Ja zur Solidarität mit Armen und benachteligten Menschen
  • Ein Ja zum Frieden
  • Ein Ja zur Verantwortung für unsere Gesellschaft.

Montag, 2. November 2009

Liebe Chiara...

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Matthäus 19,24


Den Reichtum nicht zu Gott machen - Ja, Chiara, schon recht. Ich hab das schon 100 Mal gehört.

Mammon herrscht. Wissen wir ja. Und das nennt man bei uns Kultur. Und...

Und was?

Wenn's nur drum ginge, nicht am Geld zu hängen - ich häng ja gar nicht dran. Ich gebe es zwangsläufig aus. Viel ist auf meinem Konto sowieso nicht drauf, was ich ausgeben könnte.

Aber ich glaube wirklich, dass Du recht hast: Jesus sagt nichts umsonst.

Und wenn ich mal den Modus wechseln darf: Mich treibt die Frage um, wie das ist mit dem Teilen. Wir tun gerne so, wie wenn wir die Finanzen mit den "wirklichen" Beziehungen gar nichts zu tun hätten. Und das stimmt natürlich nicht.

Es ist vielmehr so, dass die Art, wie wir mit Geld und Gütern umgehen, extrem viel damit zu tun hat, wie wir über uns selbst und den anderen Menschen denken.

Ich kann mir ganz unmöglich noch vorstellen, dass echte, tiefe Gemeinschaft zwischen Menschen überhaupt möglich ist, wenn wir einen Teil, nämlich die Dinge, die wir in der materiellen Welt benötigen, ausblenden und so tun, wie wenn sie gar nichts zur Sache täten.
Ich bin sogar überzeugt, dass ein Großteil unserer Einsamkeit genau daher kommt.

Armut zu verharmlosen oder sogar zu idealisieren, ist zynisch.
Und wir sollten uns hüten, das Evangelium so zu spiritualisieren, dass nur noch harmlos lauwarme Gedankenbrühe rausfließt, die uns ein wenig warm ums Herz macht.

Als Ihr damals im Luftschutzkeller saßt, Chiara, und Ihr habt im Evangelium gelesen, da ist es nicht beim Lesen allein geblieben. Ihr habt geholfen mit dem, was ihr hattet, dem wenigen an Gütern und mit Euren Händen. Es ist kein Zufall, dass in der Fokolarbewegung die finanzielle Seite ganz selbstverständlich dazu gehört wie die organisatorische, die geistliche usw. Ihr habt einfach nie aufgehört zu teilen.

In Wirklichkeit brauche ich den Großteil dessen, was ich besitze, nur gelegentlich, die restliche Zeit liegt es rum. Und alles besitzen, um für jeden erdenklichen Fall ausgestattet zu sein, ist nicht nur utopisch, sondern lächerlich.

Meine Ängste waren in dem Moment verschwunden, wo ich echte Gemeinschaft erlebt habe, die jeden sieht in seiner Eigenart. Die ihn ganz einbindet und ihn dabei frei lässt.

Das ist, wenn die Gegenwart Christi sich in der Liebe konkretisiert, die alle verbindet. Wenn also der Gott, von dem Johannes sagt: "Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm." (1. Brief des Johannes 4,16) - wenn der unter uns herrscht.
Liebe in Gott ist beständiger Austausch.

Wer an seinem Besitzstand festhalten will, wird sich fern halten von dieser Gemeinschaft.
Man kann nicht zwei Göttern dienen.

Oder wie Jesus es sagt:
Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Matthäus 6, 24

Sonntag, 1. November 2009

Korrelation

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Matthäus 19,24


Das ist doch mal ein Wort:

Reiche raus aus dem Himmel!



Kein Platz im Reich Gottes für Bonzen und "Großkopferde"!
No go für korrupte Manager!

Und das war's dann wohl mit dem Himmel. Wir hier in Deutschland passen allesamt nicht durch's Nadelöhr.

 Wie gut, dass die Szene noch weiter geht. Den Jüngern geht's nämlich nicht besser als uns:
Als das die Jünger hörten, waren sie entsetzt: "Wer kann dann überhaupt gerettet werden?", sagten sie. Jesus sah sie an: "Für Menschen ist das ganz unmöglich. Für Gott ist alles möglich."
Ja, da stehen wir nun. Hat alles gar nichts mit Reichtum zu tun, wie wir sehen, wir kommen sowieso nicht rein. Nur Gott kommt rein. Oder wen Gott hineinbuksiert.


Jesus sagt nichts umsonst? Ja das kann ich bestätigen.

Er sagt also das mit dem Reichtum auch nicht umsonst. Dann muss es einen Grund geben, dass Reichtum und Reich Gottes einander ausschließen, oder? Mag Gott keine reichen Leute und lässt sie deshalb draußen stehen?

Nein, also wirklich nicht. Das ist überhaupt nicht der Gott, den ich kenne. Ein Gott, der einem nichts gönnt? Und bei allem schönen schon hämisch grinst und sich die Hände reibt, weil er weiß: Das dicke Ende kommt noch?
Das erinnert verdächtig an eine Fratze des Teufels, wie man ihn auf Karrikaturen finden kann.

Wenn wir schon dabei sind: Es gibt auch noch die Märchen, die von einem "Pakt mit dem Teufel" erzählen, in denen jemand reich wird, indem er dem Teufel seine Seele verkauft. Das ist zwar eine schön bildhafte Darstellung der Tatsache, dass man seine Seele um nichts in der Welt aufs Spiel setzen sollte.
Dass jeder, der sich fern von Gott aufhält, deshalb schon reich würde, wäre allerdings ein ebenso großer Fehlschluss wie der umgekehrte, dass jeder, der Geld hat, allein deshalb "des Teufels" wäre. Das behauptet nicht mal das Märchen.

Also was nu?
Es gibt logisch eine andere Möglichkeit als dass entweder
  • der Zugang zum Himmel durch Reichtum blockiert ist oder
  • Reichtum eine Folge dessen ist, dass man nicht hinein kommt.
Es könnte auch sein, dass
  • beides eine gemeinsame Ursache hat.
Dann treten beide Phänomene zwar häufig oder immer gleichzeitig auf, bedingen einander jedoch nicht. Also beispielsweise: Dass in Offenbach ein Haus abbrennt und dass Tina  wach wird, heißt nicht, das Tina irgendwas vom brennenden Haus weiß oder dass das Haus abbrennt, weil Tina aufwacht. Möglicherweise ist es aber derselbe Blitzeinschlag, der das Haus in Brand setzt und Tina aus dem Schlaf schreckt.

Dies ist übrigens einer der wichtigsten Gründe, warum man nicht alles glauben sollte, was in den Medien berichtet wird.

Gibt es eine gemeinsame Ursache dafür, dass man in das Reich Gottes hinein kommt und dass jemand nicht reich sein kann?
Antwort: Klar. Gott selber.

Reich ist man immer gemessen an einem anderen, der sehr viel weniger hat. Andernfalls nennt ihn niemand reich, sondern hält es für einen Normalzustand.

Und das ist genau die Frage, wenn wir reich sind: Wer ist der andere, der weniger hat, erheblich weniger hat?
Gott zu lieben und den Nächten zu lieben ist dasselbe, sagt Jesus (Matthäus 22, 36-39).
Wer Jesus begegnet, beginnt den anderen als bedürftigen Menschen wahr zu nehmen. Genau das erzählt die Geschichte vom Zöllner Zachäus: Er verschenkte die Hälfte von seinem Besitz und gab vierfach zurück, was er unrechtmäßig erworben hatte. Es geht nicht darum, dass er selbst zum Bettler wird, es geh darum, dass er anfängt zu teilen.

Andererseits ist das "Reich Gottes" nichts anderes als der Herrschaftsbereich Gottes. Wer von Gott nichts wissen will, geht dem aus dem Weg. Die Liebe Gottes kann aber niemanden gegen seinen Willen in die Gemeinschaft mit Gott zwingen.

Wer den anderen - den "Nächsten", wie das biblisch heißt - nicht sehen will, der kann sich auch nicht Gott nähern, in dem die Wahrheit ist, denn tut er dies, wird er erst sich selbst in einem anderen Licht sehen und dann den anderen.

Bei Gott aber ist alles möglich.

Verwalter von Gottes Gütern

Wort des Lebens November 2009:

Der für November ausgewählte Text ist
Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. (Matthäus 19,24)

Chiara Lubich schreibt dazu:
"Macht uns dieses Wort betroffen?... Jesus hat seine Worte nie nur so dahingesagt...

...was Jesus... meint,... wie er selbst sich Reichen gegenüber verhält... Zu Zachäus, der nur die Hälfte seines Besitzes gibt, sagt er: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden.“...

Alles gehört Gott. Doch Reiche verhalten sich oft so, als ob die Güter ihnen gehörten. ...der viel besitzt... soll das Bewusstsein haben, dass er nur Verwalter seiner Güter ist...

Wenn die Güter dieser Welt nicht in sich schlecht sind, sollte man sie auch nicht verachten...
Auch jemand, der alles verlassen hat, um Christus zu folgen, kann sein Herz noch an tausend Dinge hängen. Und ein Armer, der flucht, weil man seinen Bettelsack anrührt, kann vor Gott reich sein."

Ganzer Text auf der Seite der Fokolarbewegung.