Mittwoch, 28. Oktober 2009

Mariapoli 2010 Hübingen

Vom 7. - 11. Juli 2010 werden wir das Waldferiendorf Hübingen im Westerwald zu einer kleinen "Stadt" auf Zeit machen. "Mariapoli" heißt das in der Fokolarbewegung.
Wir haben am Wochenende schon mal eine kleine Erkundungstour nach Hübingen gemacht und die Planungen in Gang gesetzt.

Und hier sind die Fotos vom Gelände.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Gegen falschen Heroismus

Wort des Lebens Oktober 2009:

„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19
Wenn ich lese: "Wir waren bereit, füreinander zu sterben" (Chiara Lubich) oder noch mehr "Wir müssen bereit sein, füreinander zu sterben", dann weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll. Verliebte reden so. Jugendliche Idealisten manchmal.

Ich bin dazu nicht bereit. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Da tauchen Bilder von Folteropfern vor mir auf, die Amnesty International veröffentlicht hat. Ich erinnere mich an angebliche Hexen und Häretiker, die unter den Augen der Kirche lebendig verbrannt wurden, und wie man mit der einheimischen Bevölkerung in Amerika verfuhr. Ich sehe vor mir die versammelten  Grausamkeiten in den Konzentrationslagern der Nazis und die Bestialität, mit der der Völkermord in Ruanda getobt hat. Nein, keinesfalls bin ich bereit, mich so quälen zu lassen.

Ich bin kein Held. Und wenn der Heilige Laurentius noch so heilig wäre: Ich will dennoch nicht bei lebendigem Leib gegrillt werden.


Es wäre einfach gelogen, wenn ich behaupten würde, ich bin dazu bereit.


Ich habe alle erdenklichen Greuel im Kopf, zu denen Menschen fähig sind. Ich bin mir sicher, dass ich ebenfalls zu solchem Verhalten imstande bin, und ganz bestimmt dazu, zuzulassen dass anderen dies geschieht.

Ich bin nicht Jesus. Er mag die unaussprechliche Liebe in sich gehabt haben, die alle umfasst und allen Schmerz und alles Leid erduldet.


Ich liebe das Leben viel zu sehr. Ich halte nichts von heroischen Wörtereien.
Ich glaube jemandem das bestenfalls, wo der alltägliche "Kleinkram" davon spricht.

Und was mich angeht: Ich überlasse das dem, der die Liebe ist. Soll er doch tun, was er will...


(Bild: Marie-Lan Nguyen (Jastrow), Wikimedia Commens)

Sonntag, 11. Oktober 2009

Der Liebe sich Überlassen

Wort des Lebens Oktober 2009:
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19
Dieses Wort hat zuerst eine Zeichnung hervorgebracht, dann Gedanken darüber, was Standhaftigkeit ist.  Aber so recht befriedigt mich das nicht.

Meine Gegenwart scheint nicht recht dazu zu passen. Bin ich doch eben erst in die Bewegung "hineingeraten" und darin ist eher etwas in Bewegung gekommen als dass ich irgend jemandem widerstehen müsste.

Ich hatte die Jahre zuvor einiges erlebt, was eher anderer Menschen Grenzen sichtbar gemacht hatte als dass ich in der Sache viel dazu hätte tun können. Und jetzt irritiert mich ein unbehinderter Fluss.
Standhaftigkeit ist nicht nur manchmal ansteckend, wie Chiara sagt, in gewissem Sinn gewöhnt man sich sogar daran, selbst, wie ungewollt das auch geschieht, Widerstand zu sein.

Doch wenn ich nicht in unmittelbarer Bedrängnis bin, ist Jesus selbst noch immer eine Herausforderung. Da zeigt sich, was "standhalten" im Innersten ist: Sich seiner Liebe überlassen.

Du
steigst hinab ins Totenreich meiner Seele
tauchst in die Tiefe der See, wo die Wrackteile alter Schiffe liegen
besuchst die ausgestorbenen Bahnhöfe einer entlassenen Zeit
wanderst über den Todesstreifen verschlossener Grenzen
erweckst zum Leben die Gott-verlassene Kindheit
entfaltest die vertrocknete Armut in mir zu Farbpulver
durchlebst den Meeresgrund wie Sonar mit dem Echo Deines Todesschreis: Warum hast du mich verlassen?

Dienstag, 6. Oktober 2009

Jesus gewinnen

Wort des Lebens Oktober 2009
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19


Ich bin schon ein paar Mal in Situationen gewesen, wo ich standhalten musste. Und ich kann Euch sagen, das ist gar nicht lustig gewesen.
Die Erinnerung ist nichts von einem Triumpfgefühl.

Man wird euch festnehmen und verfolgen. Vor Gerichte bringen, ins Gefängnis werfen, vor Machthaber zerren. Alles wegen Jesus. Dann habt ihr Gelegenheit, Zeugnis abzulegen.
So geht der Textabschnitt los, aus dem das Wort des Lebens vom Oktober stammt. Schöne Aussicht.

Es ist knallehart. Auch wenn der Geist die richtigen Worte eingibt, wie es weiter heißt. Das tut er auch. Nur wird es davon noch alles andere als ein sommerlicher Abendspaziergang. Du bist es immer noch selber, der es erleidet.


Standhalten ist was anderes als Recht behalten. Was anderes als seine Meinung durchpeitschen. Als Härte zeigen oder sich durchsetzen. Auch nicht den Glauben brüllend verteidigen oder die Muskeln spielen lassen.
Dieses Standhalten, um das es hier geht, ist ein Festhalten an der Liebe, auch da, wo man keine erfährt.


Festhalten an dem, was man als wahr erkannt hat, ohne dem Unverständnis mit Gebrüll, Hohn oder Gewaltmitteln zu begegnen. Ohne mit "gleicher Münze" heimzuzahlen. Das bedeutet, es auszuhalten, dass es weh tut.
Mir, nicht dem anderen.

Es tut weh, sich nicht abzuwenden von Demütigung, die man erleidet. Am liebsten würden wir draufschlagen statt allein mit vernünftigen Argumenten dagegen zu halten.

Gedemütigte Menschen sind gefährlich. Gegen die rasende Wut und tödliche Gewalt in mir, wenn sie schon da ist, gibt es nur ein Mittel: Sie ansehen als das, was sie ist, und aushalten, dass ich so bin. Ich habe nicht recht, wenn ich mir rausnehme, mit "Recht" Rache nehmen zu wollen. Menschlich verständlich ist das. Der Liebe des Gekreuzigten widerspricht es.

In der Begegnung mit Jesus geschieht dreierlei:
  • Ich erkenne, dass ich nicht in seiner Liebe bin.
  • Ich werde dennoch von ihm angenommen und von seiner Liebe umfangen. 
  • Ich werde verändert. Verantwortungsbereiter. Freier.  Liebevoller. Ihm ähnlicher.
Alles das geschieht zusammen, eines nicht ohne das andere.


Je mehr ich in sein Bild verwandelt werde und dabei lerne, was das ist, was er gelebt hat, desto mehr beginne ich den anderen zu sehen. Auch den, der mich nicht freundlich empfängt. "Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?  Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?", sagt Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 5, 46-47).
Den sehen, der in seinem Nicht-Verstehen nach Leben hungert, und in seinem Angriff seine Wunden zu schützen sucht.

Ich lerne zu lieben, wo nichts für den anderen zu sprechen scheint. Wo mir tatsächlich und wahrhaftig Unrecht geschieht.
So ist es Jesus selbst gegangen.


Nein, das rechtfertigt nicht das Tun des anderen, und ich soll auch nicht alles stehen lassen, sonst werden Dritte davon betroffen. Im Gegenteil. Manchmal muss ich dann was sagen, wenn ich mit Widerstand rechnen kann. Ich habe vielleicht Angst davor. Wahrscheinlich habe ich Angst.

Keiner wird aber klüger davon, dass ich mich genauso aufführe.
Keiner wird liebevoller davon, dass ich die Liebe aussetze.


Die Liebe "in Kraft setzen" ist das Anliegen Jesu. Aushalten kann ich das nur, wenn Jesus in mir lebt, mit seinen Wunden, seiner Angst und seiner Einsamkeit. Er, der Gerechte, der den Verbrechern und Verdammten zugerechnet wurde.

Wer diesen Menschen liebt, wer bei ihm steht in seiner Liebe und nicht mehr an Rache denkt, der ist frei von den Todesmächten, die nach uns greifen. Der hat gewonnen. Der hat ihn, Jesus, das Leben.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Nur Mut!

Wort des Lebens Oktober 2009

Der für Oktober ausgewählte Text ist
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Lukas 21,19

Chiara Lubich schreibt dazu:
"...Wenn man leidet, mit Versuchungen kämpft, den Mut zu verlieren droht... braucht man... Standhaftigkeit...
Wer Christus nachfolgen will, nimmt täglich sein Kreuz auf sich und sagt... ja zum Schmerz... Es gibt Menschen, die die Einladung zum Christsein vernehmen, aber ... die anfängliche Begeisterung ist wie ein Strohfeuer, von dem nichts bleibt...
Wenn wir Christen sein wollen, genügt es nicht, getauft zu sein... Wachstum im geistlichen Leben geschieht nicht zuletzt durch Prüfungen, Schmerzen, Hindernisse und Kämpfe...
Wirklich standhaft ist, wer liebt... Fassen wir neuen Mut... in der Nachfolge Christi... und wir werden das Leben gewinnen." Ganzer Text auf der Website der Fokolarbewegung