Dienstag, 1. Dezember 2009

Ausstellung III: Metamorphosen

Ich stecke gerade selbst in einer Metamorphose. In mir verändert sich etwas, seid ich auf die Fokolarbewegung gestoßen bin, von jede Begegnung neu befeuert. Es ist ein Loslassen.

Und so eine Begegnung ist auch die Ausstellung  von Annemarie Baumgarten und Hung: "Metamorphosen auf Mutter Erde".

Das Wort "Meta-Morphose" ist griechisch. Es begegnet im Deutschen eigentlich nur im Zusammenhang mit künstlerischen Werken, gewöhnlich Bilder oder Gedichte. Und in Rollenspielen wie "Das Schwarze Auge". Geläufiger ist "Trans-Formation", was der lateinischen Übersetzung entspricht. Auf Deutsch bedeutet beides "Um-Gestaltung" oder "Um-Formung".



Für Aristoteles war die Morphe das, was den Stoff, die Materie formt, ihr Gestalt verleiht. Meta-Morphose ist demnach die Neuformung des Bestehenden. Allgemeiner auch einfach: Veränderung.

Ein Kunstwerk herstellen ist in gewissem Sinn immer eine Umgestaltung des Stoffes: Farbe wird auf Leinwand aufgetragen, eingearbeitet, gemischt, getupft, überdeckt, aufgelöst, verwischt...
Viel deutlicher noch ist das  bei Hung, wenn man ihn bei der Arbeit sieht wie er Metallteile zusammenschweißt. Die Teile bleiben. Man kann sie auch am fertigen Kunstwerk häufig noch deutlich sehen. Und doch ist ganz neues entstanden, ein Kopf, eine Figur, eine Geschichte.

Die verschweißten Teile bilden einen Körper in den ein Kunstwerk aufersteht. Hung lässt das Unsichtbare, Ungesagte offenbar werden, das schon im Raum ist. Er gibt die Form für nicht vorhandene Materie.

In der scheinbar aus einigen Strichen in Tusche bestehenden, lebensgroßen Metallskulptur "Crucifix", die im Freiburger Priesterseminar Collegium Borromäum hängt, lässt er den Gekreuzigten erscheinen. Und der Sterbende ist schon ein Auferstandener.

Die Gestalten sind nicht aus Metall. Sie leben zwischen den metallenen Teilen in der Freiheit des Raumes. Seine Arbeit nennt er MetaLmorphosis.

Hung hat in Kriftel eher kleinere Werke ausgestellt - für mehr ist leider auch kein Raum. Schon die ist man in Gefahr zu übersehen, wie ihnen da die Umgebung auf den unsichbaren Leib rückt. Man wünscht sich Platz. Oft muss man erst einen Winkel finden, der geeignet ist, die metallene Tusche gegen den Hintergrund zu zeichnen. Die Suche lohnt sich trotzdem.


Der Evangelist Matthäus verwendet "metamophein" (das ist das Verb dazu) für die "Verklärung" Jesu auf dem Berg (Matthäus 17,2): Jesus wird verwandelt und erscheint Petrus, Jakobus und Johannes in strahlendem Licht.

Und Paulus schreibt in seinem Brief nach Rom:
"Macht euch nicht gleich den Erscheinungen dieses Äons, sondern gestaltet euch um und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen könnt, was der Wille Gottes ist: Das Gute, ihm Wohlgefällige und Vollkommene."
Römer 12,2

Etwas vom Licht der Verklärung ist in Annemaries Bildern. Überall ist dieses Licht drin, manchmal ganz direkt als ein ins Bild gesetztes Leuten, manchmal unscheinbarer eine Aufhellung, wo Dunkel zu erwarten wäre.
Himmel leuchtet, Horizont.
Bäume umleuchtet von irgendwo.



Ein durchschauen zum Licht. So sind diese Bilder: Ein Evangelium in Acryl.

Sie lassen den Betrachter nicht vor dem Bild sitzen. Sie ziehen ihn hinein ins Licht, das verwandelt. Führen den, der sich dauf einlässt, in eine Umgestaltung, hin zu dem, was die Erscheinungen dieses Äons übersteigt.

Beide, Hung und Annemarie Baumgarten, zeigen Kunst - keine Illustration des schon Geläufigen.



Mehr von der Ausstellung:
Ausstellung: Annemarie Baumgarten / Hung
Ausstellung II: Irritationen mal anders


Bild:
Annemarie Baumarten:  "Das Gold der Stadt" (2008)
Danke, Annemarie, dass ich es zeigen darf.

1 Kommentar:

  1. Interessant etwas mehr darüber
    zu erfahren - und zu lesen.
    Dankeschön für diesen Beitrag. :-)

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