Ihr müsst also nirgends hin Rutschen, der Ausspruch kommt aus dem Jiddischen in unsere Sprache. "Rosch" ist hebräisch und bedeutet "Kopf" oder "Anfang". Daraus wurde bei denen, die es nicht verstanden, ein "guter Rutsch" ins nächste Jahr.
Man hat sich also einfach einen guten Jahresanfang gewünscht.
Neben dem "Wort des Lebens", das es jeden Monat neu gibt, hat auch jedes Jahr ein eigenes Motto. Für 2010 ist eines der für uns zentralsten Schriftstellen überhaupt gewählt worden:
"Gott ist Liebe"Der beste Kommentar dazu ist der von Johannes selbst. Es steckt aber so viel in seinem Text drin, dass es nicht leicht zu verstehen ist und man mindestens ein Jahr - am besten das ganze Leben - daran meditieren kann.
1. Brief des Johannes 4, Vers 8 und 16
Der ganze Text im ersten Brief des Johannes lautet:
Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
1. Brief des Johannes 4, 7-21
Heute ist es Allgemeingut, davon zu sprechen, das Gott Liebe ist. Als Chiara damals darauf stieß und mit ihren ersten Gefährtinnen beschloss, diese Liebe durch ihr Leben sichtbar werden zu lassen, war dies keineswegs so.
Gerechtigkeit wurde mit Gott in Verbindung gebracht, Hoheit, Ehre, Allmacht... aber Liebe?
Auch wenn es nie ganz vergessen war: Unter Liebe stellte man sich eher Liebesdienste vor, gute Taten, Caritas. Etwas, was Menschen tun. Eine Aufgabe, die dem Christen geboten war.
Aber nicht das Wesen Gottes selbst.
Am Anfang dieses Semesters wurden wir in unserer Gruppe von der Geistlichen Ausbildung gefragt, was wir für das wichtigste an der Botschaft Jesu halten. Die häufigste Antwort war: Dass Gott Liebe ist.
Das sagt Jesus so gar nicht wörtlich in den Evangelien, das sagt Johannes in seinem Brief. Dennoch ist es für die Mehrheit die Zusammenfassung dessen, was die Sendung Jesu ausmacht: Die Botschaft, die identisch ist mit Gott selbst. In Jesus ist die Liebe Gottes erschienen unter uns (1. Brief des Johannes 4,9).
Denn
"Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm."Das ist, was Jesus ist und was er gelebt hat.
(1. Brief des Johannes 4,16)
Ihm sollen wir gleich werden.
Aber nicht durch fromme Handlungen und vorgeschriebene Dienstleistungen.
Sondern aus einem Handeln, das aus der Gemeinschaft mit Christus selbst hervorgeht, der unter uns gegenwärtig ist.
Ein in der Liebe Gottes gesegnetes Jahr 2010!
Bild 1: Thomas Wolf (Der Wolf im Wald): Sylvesterfeuerwerk in Frankfurt am Main (some rights reserved), auf Wikipedia.
Bild 2: César Astudillo: Christmas light tree in Moncloa-Aravaca district in Madrid (Spain) (some rights reserved) auf Flickr.



















